
Deutschlandtour – Von Nord nach Süd
Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.
Rhön
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Einmal quer durch Deutschland. Vom nördlichsten Landpunkt bis an die letzte offiziell befahrbare Spitze im Süden. Wo immer es geht, unter Vermeidung von Schnellstraßen und Autobahnen.

Kontrastprogramm: als passionierter Endurofahrer unterwegs auf einer Harley? Interessant, was dabei herauskommt, wenn man gelegentlich seine Vorurteile überprüft.

Drei unterschiedliche Gipfel ragen in den hohen Himmel. Drei deutsche Länder teilen sich dieses Mittelgebirge. Drei Bundesländer konnten die Herkunft des Namens Rhön nicht eindeutig klären.

Bei traumhaftem Wetter zeigten sich Knüllgebirge und Co. von ihrer besten Seite

Vom Knüllgebirge geht es entlang der Schwalm bis zum Edersee. Wir folgen kurvigen Straßen durch Knüll Rhön und entlang des Edersees.

In der Region und um die Rhön und den Thüringer Wald gibt es viel zu erleben.
Wer eine Rhön-Runde plant, legt sie fast zwangsläufig um die Hochrhönstraße herum — sie ist die Achse, an die man die Abstecher zu Kuppen, Mooren und Aussichtspunkten anhängt, nicht das Ziel für sich. Ihr Reiz liegt darin, dass sie über den offenen Kamm der Langen Rhön läuft: kein Wald, der die Sicht nimmt, dafür lange Schwünge, deren Verlauf man früh überblickt. Genau diese Offenheit hat aber zwei Seiten.

Ohne Baumkulisse fehlt jeder Windschutz. Auf den freien Abschnitten steht der Seitenwind quer zur Fahrtrichtung und greift stärker ans Motorrad, als es die gemächlichen Kurvenradien vermuten lassen — bei kräftiger Höhenbrise lohnt es sich, Tempo und Griffdruck darauf einzustellen, statt sich vom weiten Kurvenbild zu ruhigem Rollen verleiten zu lassen. Der zweite Punkt betrifft den Blick: Weil man weit sieht, tauchen Gegenverkehr, langsame Wohnmobile und Radfahrer schon in großer Entfernung auf. Wer die ganze Linie liest statt nur die nächste Kurve, fährt hier am flüssigsten und am sichersten.
Als eine der bekanntesten Strecken der Region füllt sich der Kamm an schönen Wochenenden mit Ausflugsverkehr, Rennrädern und anderen Maschinen. Für eine saubere, zügige Fahrt sind früher Morgen oder ein Werktag Gold wert. Und weil die Straße als Nord-Süd-Verbindung angelegt ist, fährt man sie am besten einmal in jede Richtung und schließt über die Talstraßen eine Runde, statt dieselbe Strecke doppelt abzufahren.
Die Wasserkuppe ist als höchster Berg der Rhön und zugleich höchster Punkt Hessens nicht nur ein fahrerisches Ziel, sondern einer der größten Publikumsmagneten des Mittelgebirges. Segelflug- und Gleitschirmbetrieb, Museum und Freizeitangebote ziehen über die Saison Familien, Wandergruppen und Reisebusse an — und dieser Strom teilt sich mit dem Motorrad genau die kurvige Auffahrt, die den Berg für Fahrer so reizvoll macht.
Für die Streckenplanung heißt das: Die Anfahrten von Gersfeld und über Poppenhausen sind schön zu fahren, an sonnigen Tagen aber kein Ort zum Drücken. Oben herrscht in der Hochsaison zäher Parkplatzsuchverkehr, die Flächen sind schnell voll, und zwischen den Fahrzeugen queren Fußgänger unvermittelt die Straße. Wer den Gipfel als Fahrerlebnis mitnehmen will, kommt früh, bevor der Ausflugsverkehr einsetzt — oder plant die Wasserkuppe als kurzen Abstecher aus der eigentlichen Tour heraus, nicht als deren Mittelpunkt. Der Blick vom Dach Hessens und der Flugbetrieb über den Hängen sind das Anhalten wert; das Gedränge davor gehört zur Rechnung.
Weil Bayern, Hessen und Thüringen mitten in der Rhön zusammenstoßen, wechselt man auf einer Tagesrunde mehrfach das Bundesland — oft ohne ein Grenzschild zu bemerken. Fahrerisch bleibt das folgenlos, für die Planung nicht ganz: Straßen liegen je nach Seite in der Baulast eines anderen Landes, weshalb Zustand, Beschilderung und Baustellen sich an der Grenze ändern können. Eine Sperrungsmeldung aus dem einen Land deckt das Nachbartal nicht automatisch mit ab.
Ein zweiter Punkt ist das Tanken. Die Höhen sind dünn besiedelt, Tankstellen liegen in den Tälern. Wer auf den Kamm hinauffährt, füllt besser vorher in den Talorten auf und verlässt sich nicht darauf, oben eine Zapfsäule zu finden. Point Alpha bei Geisa markiert das Dreiländereck am eindrücklichsten — und taugt unterwegs als markanter Orientierungspunkt.
Die Rhön ist anerkannter Sternenpark und gehört zu den dunkelsten Gegenden Deutschlands — ein echter Grund, die Etappe nicht zu knapp zu planen und in der Dämmerung oder nachts noch einmal auf die Höhe zu fahren. Nur: Dieselbe offene, dünn besiedelte Hochfläche, die den dunklen Himmel schenkt, ist bestes Wildwechsel-Revier, und auf den unbeleuchteten Kammstraßen wird das nach Einbruch der Dunkelheit zur bestimmenden Gefahr.
So bleibt die Nachtfahrt das, was sie sein soll — ein besonderes Erlebnis unter einem Himmel, wie ihn Ballungsräume längst nicht mehr zeigen, und keine riskante schnelle Transitfahrt über den Kamm.
Wer alle fünf Runden in einer Woche fährt, hat die Rhön in ihrer ganzen Bandbreite erlebt — Hochrhön, fränkische Berge, Thüringer Grenzland, Moore und Vorderrhön. Die Standorte Gersfeld, Fulda, Bischofsheim oder Hilders eignen sich gut als Basis, weil von dort alle Touren erreichbar sind.
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